Die Stadtbibliothek Germersheim feiert ihr 15-jähriges Bestehen im ehemaligen Schulhaus in der Eugen-Sauer-Straße.
Mit dem Umzug in das ehemalige Schulhaus in der Jakobstraße 12 im Jahr 1995 begann für die Stadtbibliothek vor 15 Jahren eine neue Epoche. Vorbei waren damit die Zeiten, in denen die vormalige "Stadtbücherei" im Kellergeschoss der Geschwister-Scholl-Schule am Römerweg ein eher bescheidenes Dasein geführt hatte.
Das Gebäude, in dem die Stadtbibliothek am 15. September 1995 den Betrieb aufnahm, war ursprünglich als Schulhaus im Jahr 1824 errichtet worden. Bei den Fundamentierungsarbeiten stieß man damals übrigens auf einen römischen Weihestein aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Lange Zeit wurden hier Generationen von Germersheimer Schülern unterrichtet, im März 1945 zerstörten Bomben einen Flügel des Schulgebäudes, von 1950 bis 1959 war die Kreisberufschule hier untergebracht. In den folgenden Jahren wurden Wohnungen eingerichtet, von 1972 bis 1992 waren schließlich mehrere Dienststellen der Stadtverwaltung (u.a. die Stadtkasse) darin untergebracht.
Der Einweihung der Stadtbibliothek am 15. September 1995 war eine 15-monatige Umbauphase vorausgegangen, bei der das Gebäude den Bedürfnissen der künftigen Stadtbibliothek baulich angepasst wurde. Gleichzeitig richtete man im obersten Stockwerk Räume für die Seniorenarbeit und weitere Arbeitsräume der Bibliothek ein. Mit dem Einzug ins eigene Haus wurde die Leitung der Stadtbibliothek einer ausgebildeten Diplom-Bibliothekarin übertragen. Die offizielle Inbetriebnahme der Bibliothek erfolgte in Anwesenheit des damaligen rheinland-pfälzischen Staatsministers Zuber und wurde musikalisch von Lehrkräften der Städtischen Musikschule umrahmt. Unmittelbar danach trug der bekannt pfälzische Mundartautor Gerd Runck (Landau) eigene Verse vor. Beim "Tag der offenen Tür" am gleichen Wochenende bestand die Gelegenheit, sich mit der Stadtbibliothek vertraut zu machen, was viele Besucher nutzten, die sich gleich als Benutzer registrieren ließen: So konnten 200 Neuanmeldungen beim "Tag der offenen Tür" verzeichnet werden.

Die Stadtbibliothek Germersheim verfügt heute über eine Fläche von 450 Quadratmetern, die sich auf zwei Stockwerke verteilen. Rund 10.000 Benutzer sind derzeit registriert. Im Jahr 2010 wurden von Januar bis Ende Oktober 46.000 Ausleihungen gezählt. Die Zahl der Medien, die heutzutage natürlich neben Büchern, Zeitungen und Zeitschriften auch CDs, CD-ROMs, DVDs und Spiele umfasst, beläuft sich auf über 39.000. Darunter befinden sich seit Oktober auch knapp 3.000 digitale Medien zum Downloaden.
Daneben finden in der Stadtbibliothek regelmäßig auch Autorenlesungen, Dia-Vorträge und Veranstaltungen für Kinder statt. Auch wenn erst 15 Jahre vergangen sind, seit die Stadtbibliothek Germersheim im ehemaligen Schulgebäude in der Jakobstraße/Eugen-Sauer-Straße ein neues Zuhause gefunden hat - die Anfänge des öffentlichen Bibliothekswesens reichen jedoch schon in das späte 19. Jahrhundert zurück. Den Hinweis hierzu liefern einige ältere Bände im Bestand der heutigen Stadtbibliothek, die eine Besonderheit in Form kleinformatiger, aufgeklebter Zettel besitzen, welche die Bücher samt Inventarnummer als "Eigenthum der Volksbibliothek des Kantons Germersheim" ausweisen. Hatte die heutige Stadtbibliothek und vormalige Stadtbücherei demnach eine frühe Vorläuferin? Ein Blick in die Stadtgeschichte von Josef Probst vermittelt keine weiterführenden Erkenntnisse, da diese öffentliche Einrichtung nicht erwähnt wird. Sollte die Volksbibliothek demnach erst nach der Veröffentlichung von Probsts Stadtgeschichte (1898) gegründet worden sein? Die altertümlich anmutende Schreibweise einiger Worte der auf dem Inventarzettel abgedruckten Benutzungsordnung sowie der Hinweis auf den "Kanton Germersheim" weisen jedoch eindeutig in das 19. Jahrhundert und weckten Neugier und Interesse, den Fragen auf den Grund zu gehen. Es bedurfte jedoch erst weiterer Nachforschungen im Landesarchiv Speyer, wo im Bestand des Bezirksamtes Germersheim mehrere Akten mit Dokumenten zum Volksbibliothekswesen liegen, um schließlich etwas Licht in die Geschichte dieser Einrichtung zu bringen, deren Wurzeln bis in das Jahr 1870 reichen. Damals sah man sich in Germersheim aufgrund eines Präsidialreskripts der Regierung und einer Entschließung des königlichen Bezirksamts - beide vom Dezember 1869 - veranlasst, die Gründung einer öffentlichen Bibliothek in Germersheim vorzubereiten. Wenig später, am 17. Januar 1870, konnte Bürgermeister Anton Cayenz dem Bezirksamt bereits melden, dass die "hiesige Volksbibliothek nunmehr von dem Publikum benutzt werden" könne, eine Mitteilung, die auch in den Lokalzeitungen veröffentlich wurde. Die Ausstattung der Bibliothek war zu Beginn noch spärlich, da man zunächst nur 75 Bücher vom Bezirksamt erhalten hatte. Weitere 25 Bände folgten wenig später. Da die Bibliothek allen Einwohnern des Kantons Germersheim (er entsprach dem Gebiet des heutigen nördlichen Landkreises) offen stand, konnten die Bewohner der umliegenden Dörfer Bücher zur Ausleihe bestellen, die von der Post bis zu einem halben Pfund Gewicht kostenlos befördert und auch zur Rückgabe wieder der Bibliothek zugeleitet wurden. Die Kantonsbibliothek befand sich in einem rückwärtigen Teil des Bürgermeisteramtes (damals noch in der Marktstraße), "neben dem Rathsaal". Einig war sich der Germersheimer Stadtrat in seiner Sitzung vom 7. Januar 1870 darüber, ein (!) "Gestell" zu "Aufstellung der Bücher" zu beschaffen - damit war die "Grundausstattung" der Bibliothek auch schon abgeschlossen. Die Aufgaben eines Bibliothekars übertrug man dem Stadtschreiber Herrmann, der für diese zusätzliche zu seinem normalen Arbeitsumfang noch zu verrichtende Tätigkeit eine jährliche Zuwendung von 10 Gulden erhielt und die Bibliothek zu den üblichen Bürostunden offenzuhalten hatte. Am 31. Januar 1870 zeigte das Bezirksamt der Regierung in Speyer bereits an, dass die "Cantonsbibliothek in Germersheim fertig eingerichtet und in vollem Gebrauch" sei. Doch was erwartete die bildungsbeflissenen oder Zerstreuung suchenden Leser des Jahres 1870 in der Bibliothek? Verschiedene Abgabeverzeichnisse, die aus jener Zeit erhalten sich, informieren über das Spektrum der damals vorhandenen Literatur. Sie nennen zahlreiche Titel von Romanen, Erzählungen, aber auch Reisebeschreibungen wie etwa "Die beiden ersten deutschen Nordpolfahrten auf der Germania und Hans 1868 bis 1870" oder "Der weiße Häuptling" und "Der Fährtensucher". In den Regalen vertreten waren aber auch Klassiker der deutschen Literatur wie Goethe, Schiller und Lessing sowie einige naturwissenschaftliche Veröffentlichungen. Hinzu kamen lehrreiche Werke für die ganze Familie wie beispielsweise die "Illustrirte Familienbibliothek" oder die Zeitschrift "Deutsche Jugend". Das Nebenamt eines Bibliothekars war 1873 mit der Ernennung eine neuen Stadtschreibers von Heinrich Herrmann auf dessen Nachfolger Jakob Münch übergegangen. Der Zuspruch, den die Bibliothek erfuhr, schien zumindest zeitweise nicht den Erwartungen zu entsprechen. 1886 äußerte sich der Germersheimer Bezirksamtmann und Abgeordnete des Bayerischen Landtags, Gustav Ott, in einem Rundschreiben an alle Gemeinden seines Amtsbezirks darüber, dass die Benutzung der Volksbibliotheken in Germersheim und Kandel von seiten der "auswärtigen Gemeinden vieles zu wünschen übrig" lasse und führte diesen Umstand darauf zurück, dass in den Gemeinden vielfach unbekannt sei, was die Bibliotheken zu bieten hätten.
Text von Ludwig Hans
Stadtbibliothek Germersheim
Jakobstraße 12
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Montags: 14.00 - 17.00 Uhr
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