Von Nikolaus selbst gibt es wenige "historische" Zeugnisse:
Sicher ist, dass er im Jahre 325 an der Bischofsversammlung von Nicäa teilgenommen hat. Was wir über sein Wirken wissen, ist uns legendarisch aus dem 13. Jahrhundert überliefert. Historisch ist wohl einzig noch sicher, dass er gelebt hat und einen Ruf als Wohltäter hatte. Welch wichtige Wahrheit die Legenden über ihn enthalten, erfährt man, wenn man sich mit Phantasie und Lebenserfahrung auf die Erzählungen einläßt.
Verbreitete Legenden über Nikolaus erzählen:
· In einer verarmten Familie konnte er durch gezielte Geldgeschenke, die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste
· Drei zu Unrecht zum Tod Verurteilte konnte er retten, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete sie Nikolaus, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff.
· Um ein in Seenot geratenes Schiff mit drei Pilgern, die von Ephesus ausfuhren und das für eine christliche Kapelle bestimmte heilige Öl in den Diana-Tempel zurückzubringen sollten, zu retten, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen.
· Drei Jungen fielen auf der Suche nach Arbeit dem Metzger in die Hände, der sie in ein Pökelfaß steckte und zu Wurst verarbeiten wollte; sie waren schon zerteilt, als der Bischof davon erfuhr und sie wieder zum Leben erweckte.
· Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.
Die Legende um die drei Töchter
Es lebte in Myra ein frommer, rechtschaffener Mann mit seinen drei Töchtern. Die Familie war auch dem Nikolaus bekannt, und so blieb dem Bischof auch nicht verborgen, dass sie in einer ausweglosen Lage war: Der Mann war krank und konnte bei seiner Schwäche keine Arbeit annehmen. Er schämte sich dafür so sehr, dass er es vor allen Menschen geheim zu halten suchte. Doch litten alle Hunger und man wußte keinen Rat.. In seiner Verzweiflung und Not dachte der Vater darüber nach, seine Töchter aus dem Hause auf die Straße zu schicken, damit sie sich etwas verdienen könnten.
Nun kam es, dass Nikolaus davon erfuhr. Da stieg er - nachts, um den armen Hausherrn nicht zu beschämen - heimlich auf das Dach des Hauses und warf zum Kamin drei Goldklumpen hinein, genug, um ein Auskommen der Töchter zu sichern. Wie groß war die Freude der Familie über die "Himmelsgabe"!
Nikolaus aber hatte sich rechtzeitig entfernt, um nicht entdeckt werden
Hier wird einer der alten Bräuche deutlich: Das Beschenken. Wie rücksichtsvoll er ist, wie es ihm nur auf die Beschenkten, nicht auf sich ankommt! Und er eröffnet mit seinem Geschenk eine ganz neue Perspektive. Wer so schenken kann, hat den Grundgedanken des ganzen Christentums verstanden. Bei aller Kauferei, wo nur noch das Geld zählt, ist es wichtig, dass wir wieder die Schönheit des Schenkens und des Beschenkt - Werdens erfahren.
Nikolaus rettet einen ungerecht Verurteilten
In der Legenda aurea, der "Goldenen Legende" des Jakob von Voragine wird von Nikolaus Beeindruckendes erzählt:
Die bedeutende Welt- und Seemacht Rom liegt mit einem Teil ihrer Marine in der unterworfenen Hafenstadt Myra fest. Die Marinesoldaten sind nicht zimperlich, es gibt Plünderungen.
Bischof Nikolaus lädt, um seine Landsleute zu schützen, zunächst die Admiräle zum Abendessen ein. Er will verhandeln. Während des Abendessens erfährt Nikolaus, dass der Stadtkommandant für ein Bestechungsgeld gerade die Hinrichtung von drei Unschuldigen befohlen hat. Daraufhin schleift Nikolaus die eingeladenen Admiräle zum Hinrichtungsplatz, entreißt dem Henker vor deren Augen in letzter Minute das Schwert und bindet die drei Unschuldigen los.
Doch nicht genug: Weiter geht's direkt zum Stadtkommandanten, der - wie zu erwarten - "im Moment nicht zu sprechen" ist. Kein Hindernis für Nikolaus, der sich trotzdem Einlass verschafft (Es heißt, er habe die Tür aufgebrochen). Natürlich tut der Stadtkommandant freundlich: "Wir bemühen uns selbstverständlich, Übergriffe zu vermeiden, aber leider...", worauf Nikolaus ihn unterbricht und entgegnet: "Du erklärter Feind Gottes, Du Verächter des Gesetzes, mit welcher Unverfrorenheit kommst Du dazu, im Bewußtsein einer solchen Schuld mir ins Angesicht zu blicken?"
Hier wird ein zweiter Brauch deutlich, das Einstehen für die Ärmeren und Unterdrückten. Ein Freund klarer Worte muss er gewesen sein, ein unerschrockener Kämpfer für alle, die in Not und Bedrängnis waren. Ohne Angst vor "hohen Tieren". Wer tritt mutig ein, wenn Menschen Unrecht geschieht? Wer sagt ohne Angst den Mächtigen die Meinung?