Radtour 2006, einmal um Deutschland
Freitag 7.7.2006 bis Dienstag 1.8.2006 = 3.166 km


Kurztext im Telegrammstil:

Wegen Visa- und Flugverbindungsproblemen von der geplanten Radtour ab Minsk / Weiß-russland nach Germersheim kurzfristig Abstand genommen und diese Tour auf 2007 ver-schoben. Drei Tage vor Urlaubsbeginn für eine Deutschlandtour entschieden und völlig unvorbereitet am 07.07.2006 in Germersheim gestartet, sozusagen eine Fahrt ins Blaue. An Unterlagen hatte ich neben meinem Elan einen Autoatlas und eine Deutschland-Radkarte mit den Hauptradwegen im Gepäck.

Die ersten drei Tage den Rhein abwärts bis Duisburg ging es dank Rückenwind, guter Radwege und angenehmen Temperaturen sehr schnell voran. Entlang des Wesel-Datteln-Kanales und des Dortmund-Ems-Kanales (DEK) führte mich der Weg weiter nach Norden. Auf Grund der vielen Baustellen am DEK machten sich einige Umwege erforderlich. U.a. führte mich der Weg auch an jenem Brückenneubau vorbei, wo 2005 ein Kanalabschnitt des DEK wegen Spundwandschäden leergelaufen war. Zum Glück in die darunter fließende Lippe, sonst hätte es erhebliche Überschwemmungen gegeben! Generell sind die Kanalwe-ge geschottert und selten als Radwege ausgewiesen.

16.07.06 Neustadt Holstein Stadttor

An der Ems entlang und an der Mayer-Werft in Papenburg vorbei weiter nach Emden. Ab hier den Ems-Jade-Kanal gefahren und vom Weg abgekommen. Beim Versuch einen harmlos aussehenden Graben zu überqueren fast zur Moorleiche geworden. Das Rad steckte nach Sekunden bis zum Lenker und ich bis zu den Oberschenkeln im Modder. Mühsam herausgezogen und bei einem Bauern eine Stunde gebraucht um wieder flott zu werden. Der vordere Schaltgriff ist wieder kaputt, die Schaltung mit einem Strick und einem Stöckchen fest eingestellt.

25.07.06 Ingolstadt Kreuztor

Durch Ostfriesland, den Jadebusen umfahren und weiter Richtung Osten an die Weser. Hinter Bremerhaven Richtung Cuxhaven muss ich mich mühen, Hitze und ein heftiger Ge-genwind machen mit zu schaffen. An diesem Tag habe ich die ersten 1.000 km hinter mir, es ist der achte Reisetag. Die Schaltung kann ich reparieren lassen und übernachte an der Unterelbe in Freiburg.

Am nächsten Tag überquere ich die Elbe und über Glückstadt, vorbei am AKW Brokdorf, komme ich nach Brunsbüttel. Meine nächste Strecke ist der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) Richtung Kiel. Den NOK überquert, die Benutzung der Fähren ist heute noch kostenlos, sonst hätte Kaiser Wilhelm seinen Kanal nicht bauen können. Das waren die Bedingungen der durch den Kanalbau geschnittenen Gemeinden. Übernachtung in Rendsburg. Die Eisenbahnhochbrücke mit der darunter hängenden Schwebefähre bewundert. Auf dem NOK herrscht reger Schiffsverkehr, hier fahren Hochseeschiffe.

Ab Kiel benutze ich den Ostseeküstenradweg (OSEE). In Laboe U 995 und das Marineeh-renmal angesehen und weiter am Strand entlang. Angenehmer Rückenwind und ein guter Weg. Bei Behrendorf der Radweg verlassen und durch die Holsteinische Schweiz an die Lübecker Bucht nach Neustadt/Holstein gefahren. In Travemünde die Fähre genommen und den OSEE weiter nach Wismar. Der "Molli" überholt mich auf der Fahrt nach Bad Doberan und hinter der Stadt sehe ich die Turmspitzen des Münsters. In Rostock den OSEE verlassen und zwei Tagesetappen Landstraßen gefahren. Ab Tribsees den Radweg MSEERÜG Richtung Süden fahren wollen, er ist aber nicht zu finden und den Einheimi-schen ist er gänzlich unbekannt. Quer durch die Mecklenburger Seenplatte von Dorf zu Dorf. Über Demmin, Neubrandenburg und Prenzlau nach Schwedt an die Oder. Unterwegs ein Kornfeld brennen sehen und anderswo steht ein ausgebrannter Mähdrescher. Die Hitze hält weiter an.

Von einem schrecklichen 5 km langem Umweg auf kleinen Betonplatten wegen Deichbauarbeiten abgesehen, fahre ich jetzt auf dem sehr schönen Oder-Neiße-Radweg (OD-NE). Nach den Deichbrüchen von 1999 hat man die Deiche erhöht und wie ich es aus Germersheim kenne mit breiten, bituminierten Bermenwegen versehen. Eine Lust zu fahren! Der OD-NE führt immer am Ufer entlang. Die Temperaturen liegen in dieser Zeit über 40°C. Die Hitze macht mir nicht zu schaffen, ich trinke ca. 6,5 Liter pro Tag. Vor Bad Muskau Sachsen erreicht und am Schloss von Fürst Pückler den OD-NE verlassen und über die Straße nach Bautzen und weiter nach Dresden gefahren.

Aus Zeitgründen mit dem Zug nach Nürnberg. Am Main-Donau-Kanal und der Altmühl entlang nach Kehlheim. Mit dem Schiff den Donaudurchbruch Richtung Kloster Weltenburg bewältigt und weiter die Donau entlang bis zur Lechmündung.

Das Lechtal entlang nach Augsburg und weiter, bis Landsberg kann ich gut am Ufer fahren. Aller weniger Kilometer sind Staustufen, Schifffahrt findet keine statt, hier schafft EON. Der Weg wird schlecht, teilweise als Lech-Höhenweg ausgeschildert, kaum befahrbar. Westlich des Lechs auf Landstraßen und später den Rest bis Füssen die B17 gefahren, teilweise gibt es Radbegleitwege. Rechts von mir sehe ich den Forggen- und den Bannwaldsee. Die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau kommen vor Schwangau in mein Blickfeld. In Füssen in einer Pension bei einer leicht verwirrten Wirtin übernachtet. Das Frühstück fällt aus, sie hatte es glatt vergessen. Sie fragt mich mehrmals ob ich noch bezahlen müsse, die Frau ist völlig durch den Wind.

29.07.06 JH Schloss Laufen über dem Rheinfall

Nächstes Etappenziel ist Lindau am Bodensee auf 400 mNN. In Füssen bei 800 mNN gestartet, ständig geht es bergauf/bergab bis hinauf auf 930 mNN. Die Belohnung folgt, die letzten 13 km sind reine Abfahrt. In Lindau bei der Abfahrt am 29.07. den ersten Regen erlebt und mit Regensachen gestartet. Nächstes Ziel, am Bodensee und dem Hochrhein entlang, ist der Rheinfall bei Schaffhausen, eigentlich liegt dieser beim Ort Dachsen. In der JH auf Schloss Laufen übernachtet, sie liegt direkt über dem Rheinfall. Das Tosen der herabstürzenden Wassermassen (i.M. über 600 m³/sec.) ist 24 Stunden die bestimmende Geräuschkulisse. Die vorletzte Übernachtung ist in Basel, der Radweg dorthin ist sehr schön und wie überall in der Schweiz gut ausgeschildert. Die letzten drei Etappen auf zwei verkürzt und am 31.07. über 160 km von Basel nach Straßburg gefahren.

31.07.06 Rust 3.000 km liegen hinter mir

Am 01.08.2006 ohne Probleme nach 3.166 km wieder nach Germersheim zurückgekehrt, fünf Tage früher als geplant. Die Bahnfahrt oder den abgeschnittenen Südostteil Deutsch-lands hätte ich noch radeln können. Werkzeug, Autan, Pullover, Jeans, Socken, T-Shirts und Halbschuhe hätte ich zu Hause lassen können, in diesem Sommer waren sie unnötig.

Reimund Milde
Hauptstr. 29
76726 Germersheim
07274-7030840


Vom Dnjepr zum Rhein - Ein weiterer Reisebericht von Reimund Milde